Djahé ist indonesisch und bedeutet Ingwer. Schon als kleiner Junge in Indonesien trank Pamela Barróns Vater Jimmy am liebsten den warmen Ingwer-Tee seiner Eltern. Für seine Kinder verfeinerte er schließlich das altbewährte Rezept zur hauseigenen Limonade. Den Gästen von Pam’s kleinen indonesischen Restaurants in Köln schmeckte diese Hauslimo, so gut, dass sie beschloss, gemeinsam mit ihrem Bruder Justin und ihrem Mann Bruce ihr eigenes Food-Business zu gründen: DJAHÉ. Seit 2015 sind sie damit als junges Familienunternehmen auch bundesweit auf dem Markt. In der Homebase Köln kennt man Pamela und Djahé inzwischen als festen Bestandteil jedes guten Gastro-Kühlschrankes und Supermarktes. 

Diese Woche spricht Pam im RAKETENSTART-Podcast mit Madeleine Heuts über ihre ersten Wochen als Gründerin, neue Projekte und den großen Legal Fuckups der Lebensmittelbranche, die ihr als Gründerin täglich begegnen. All das und noch vieles Weiteres erfahrt ihr im folgenden Blogbeitrag.

Hinweis: Das Interview ist eine schriftlich abgefasste Form der Raketenstart-Folge mit Pam. Es handelt sich nicht um 1-zu-1 Zitate.

Hallo Pamela, schön, dass du hier bist! Stell dich doch zu Beginn kurz vor und erzähl uns, was du machst.
Hallo! Ich bin Pam, 38 Jahre alt und habe zusammen mit meinem Mann Bruce und meinem Bruder Justin unser kleines Familienunternehmen Djahé gegründet. Wir stellen Bio-Ingwerlimonade, Eistees und ganz neu auch funktionale Bio-Shots her. 2015 sind wir mit diesem Projekt gestartet und haben 2017 unsere GmbH angemeldet. Unser erstes Produkt war die Ingwer-Zitronenlimonade, der noch zwei weitere Sorten folgten. Letztes Jahr kamen dann unsere Eistees hinzu: “Black Ginger”, “Green Jasmin” und “Sparkling Matcha”. Anfang diesen Jahres sind wir mit unseren funktionalen Bio-Shots auf den Markt gekommen, die “Sips”. 

Wie kommt man darauf, Limonade herzustellen?
Ich habe vorher mit meinem Mann und meinem Papa ein indonesisches Restaurant in Köln betrieben. Dort haben wir auch unsere hausgemachte Ingwerlimonade nach einem verfeinerten Familienrezept unseren Gästen angeboten. Diese Art von Limo kannten wir aus unseren Reisen durch Asien, wo die Wurzel Ingwer in ganz vielen Gerichten und Getränken zum Einsatz kommt. Die selbstgemachte Zitronen-Ingwerlimonade kam wahnsinnig gut an, da wir nicht zuletzt auch darauf geachtet haben, dass nur frische Rohstoffe, wie Ingwer-Direktsaft, verarbeitet werden. Meinem Bruder, der zu dem Zeitpunkt Logistik in Lemgo studierte, kam die Idee unsere Limonade in Flaschen abzufüllen, um sie dann im Handel verkaufen zu können. Ich fand die Idee genial und war sofort dabei. 

Du hast ja wahrscheinlich nicht Limonaden-Wissenschaften studiert. Was ist dein beruflicher Background? 
Mein Lebensweg war recht wellenartig. Ich habe zunächst einige Jahre in der Gastronomie gearbeitet. Anschließend parallel zu meiner Ausbildung zur Rechtsanwaltsfachangestellten mein Abitur an einer Abendschule nachgeholt und danach dann das Familienrestaurant eröffnet. Da mir die Selbstständigkeit allein etwas unsicher war und das Abitur nicht ungenutzt bleiben sollte, habe ich angefangen Deutsch und Englisch auf Lehramt zu studieren. Kurz darauf wurde ich dann auch Mutter und startete gemeinsam mit meinem Bruder und Mann – ohne jegliche Vorkenntnisse – unser Limo-Business im Jahr 2015. Und auch wenn wir alle Drei nicht aus diesem Bereich kommen, machen wir das, was wir tun, mit ganz viel Herz und Leidenschaft.    

Wie habt ihr dann euer Business gestartet? 
Es ist natürlich ein Unterschied dazwischen, die eigene Limonade im Restaurant anzubieten, und sie als Produkt in den Handel zu bringen. Man muss unzählige Bestimmungen und Richtlinien beachten, in die man sich auch entsprechend mühselig einarbeiten muss. Wir haben Glück gehabt, dass mein Bruder Logistik in Lemgo studiert hat und sich direkt neben seiner Uni das Getränketechnologikum befand. Dort konnten wir eine kleine Charge für Testzwecke vorproduzieren. Wir konnten also austesten, wie unser Produkt in der Produktion schmeckt und das entsprechende Potenzial herausfinden. Daraufhin haben wir uns auch erst um die Recherche nach einem passenden Abfüller, Produzenten und entsprechenden Rohstoff-Lieferanten, aber auch nach der Logistik, die dahinter steckt, gekümmert. 

Gerade zu Anfang war es ein sehr mühseliger Weg, da man sich in vieles einlesen musste, insbesondere wenn man gar nicht aus dem Bereich kommt. Das war es uns aber wert. Es war ein sehr gutes Gefühl, das Familienrezept in Flaschen abzufüllen.

Im Bereich Vertrieb habe ich ganz viel Kaltakquise in der Kölner Gastronomieszene betrieben und bin tatsächlich die einzelnen Läden mit dem Fahrrad abgefahren. Die Resonanz war stets sehr positiv, weil der Wunsch nach innovativen, jungen Produkten mit guten Rohstoffen – wir sind zum Beispiel Bio zertifiziert – einfach da ist. Wenn das Produkt dann noch gut schmeckt und ein gutes Packaging bietet, ist es perfekt. Wir wurden von vielen Gastronomen dementsprechend auch gelistet, was einen guten Einstieg darstellte. 

Mittlerweile ist Djahé bei über 200 Bio- und Lebensmittel Einzelhändlern (LEH) und ungefähr 1000 Gastronomen, die sich auf NRW, Hessen und Berlin verteilen, vertreten. Im konventionellen LEH sind wir bei ca. 200 Händlern gelistet. In Köln, das unsere Homebase ist, sind wir aber natürlich am Stärksten vertreten. 

Wie sieht es mit eurer Teamstruktur aus, wie sind da die Rollen verteilt? Dein Mann hat ja zum Beispiel einen eher unüblichen Beruf als Gründer. 
Das stimmt, mein Mann ist tatsächlich Zahnarzt. Er hat unserem Startup auch den Namen “Djahé” gegeben, was auf Indonesisch “Ingwer” bedeutet. Zu ihm schicken wir dann auch immer unsere Limo-Trinker (*lacht*), wobei es sich nicht wirklich lohnt. Unsere Produkte enthalten nur einen kleinen Anteil an Rohrzucker. In unserem operativen Geschäft ist er nicht aktiv, das übernehmen mein Bruder Justin und ich. Mein Bruder kümmert sich hierbei um die Produktion, Produktentwicklung und die ganze Logistik.  

Als Familienunternehmen und gerade unter Geschwistern entstehen selbstverständlich auch mal Spannungen, die zu Unstimmigkeiten führen. Man findet aber auch recht schnell wieder zusammen und aufgrund des innigen Vertrauensverhältnisses, das zwischen uns herrscht, möchte ich das gar nicht mehr missen. Ich kann es auch nur Jedem weiterempfehlen.

Wie bekommt man als Gründerin die Familie und das Unternehmen unter einem Hut? 
Es ist manchmal sicherlich schwierig, insbesondere da für mich meine Familie meine Priorität darstellt. Trotz alledem bin ich als Gründerin zeitlich deutlich flexibler. Das bedeutet, dass ich auch Nachts arbeiten kann, wenn mein Mann und mein Sohn schlafen. Dass ich mit meinem Bruder gegründet habe, stellt dabei auch einen großen Vorteil dar, weil wir uns als Familie sowohl privat, als auch beruflich unterstützen können. Was im Angestelltenverhältnis mit geregelten Arbeitszeiten und wo Privates zwingend von Beruflichem zu trennen ist, nicht der Fall ist.  

Es ist an dieser Stelle nur wichtig, strukturiert und diszipliniert zu sein. Seine Zeit effizient einzuteilen und nach einem festgelegten Plan die Dinge zu erledigen. Gerade als Mutter ist man, was das Chaos-Management angeht, entsprechend gut für das Gründertum vorbereitet. Allerdings muss man auch sagen, dass es eine absolute Typsache darstellt, worauf es im Endeffekt ankommt. Man muss das finden, wofür man brennt und sich von gesellschaftlichen Zwängen auch frei machen.

Ihr habt in den letzten Monaten fleißig an etwas Neuem gearbeitet, möchtest du uns erzählen, worum es sich hierbei handelt? 
Wir haben relativ lange an dem neuen Projekt gearbeitet und bringen 2020 die ersten funktionalen Bio-Shots, die “Sips”, auf den deutschen Markt. Unsere Shots beinhalten nicht nur Direkt- und frisch gepresste Säfte, sondern auch natürliche Zusatzstoffe. Der Antioxidantien-Shot “Glow” enthält Zink aus dem Guave Blatt, unser Energie-Shot “Power” natürliches Koffein aus Guarana und Matcha. Und der Immunsystem-Shot “Protect” viel natürliches Vitamin C aus der Acerolakirsche in Kombination mit Kurkuma, schwarzem Pfeffer und Ingwer. Diese neue Produktlinie wird eine Untermarke von Djahé werden, da der Fokus nicht mehr ausschließlich auf der Zutat Ingwer liegt. Unsere Shots sind in kleinen Glasflaschen abgefüllt, ohne Zuckerzusatz und sowohl vegan, als auch Bio zertifiziert.

Auch mit diesem Produkt unterstützen wir das Projekt “Mein Regenwald” von Chance e.V., was sich für den Schutz von 18.000 Hektar peruanischen Regenwalds einsetzt. Wir sind mega gespannt, wie die neue Produktlinie angenommen wird und werden auch einen eigenen Online-Shop aufmachen unter sips-shop.com.

Gerade als Gründer hat man durch einen vollgestopften Alltag nicht zwingend die beste Ernährung, wenn man nicht gezielt darauf achtet. Dienen die “Sips” als Mahlzeitersatz?
Unsere Shots sollen keine Mahlzeit ersetzen, sondern dabei unterstützen, dass du dich gesund ernähren kannst und somit als Nahrungsergänzung dienen.

Wenn man eure schön designten Produkte in den Märkten sieht, könnte man meinen, dass ein riesiges Team dahinter steckt. Wie groß ist euer Team? 
Um das tolle (Flaschen-)Design kümmert sich eine gute Freundin von mir, die in Berlin wohnt und uns von da aus unterstützt. Ansonsten sind wir ein kleines Team von gerade mal sechs Leuten, wobei mein Bruder und ich schon mit eingerechnet sind. 

Bisher haben wir unser Geschäft größtenteils aus eigenen Mitteln finanziert. Aktuell sind wir aber auf der Suche nach passenden Investoren, um 2020 weiter zu wachsen und unser Team zu vergrößern. 

Viele Gründer von “Food-Startups” sind ja oftmals absolute Quereinsteiger und haben daher immer sehr viele interessante Erfahrung aus der Gründungsphase zu berichten. Was waren deine oder eure Legal Fuckups, an die du dich erinnerst?
Wenn man nicht aus dem Branche kommt und sich mit dem Lebensmittelrecht beschäftigen muss, bedarf es tatsächlich unzähliger Stunden an Recherchearbeit, um sich allein die Basics anzueignen. Hinzu kam, dass wir eine Bio-Zertifizierung haben wollten und uns damit einer expliziten Prüfung unterziehen mussten, die sowohl die Auswahl der Rohstoffe und Lieferanten, als auch unserer Produktion umfasste. Ansonsten liegen die üblichen Probleme natürlich bei der Markenrecherche, als auch der Lebensmittelinformationspflicht, die insbesondere bei der Beschriftung der Produkte zum tragen kommt.

Gerade bei unseren neusten Produkten, den “Sips”, mussten wir besonders auf die Richtlinien für Nahrungsergänzungsmittel und Health Claims, wie beispielsweise “Mit unserem Shot wirst du super gesund” achten. Das hat alles sehr viel mühselige Recherchearbeit und damit auch Zeit gekostet, die man als Gründer(in) auch ganz gerne direkt in das eigentliche Projekt gesteckt hätte. Nichtsdestotrotz sollte man, um rechtliche Probleme zu vermeiden und vor allem im Handel gelistet zu werden, diese Mühen in Kauf nehmen. Oder alternativ ein smartes Programm nutzen, das einem die rechtlichen Problemstellungen auf einfachere und zeitsparendere Weise näher bringt.

Gerade in der Juristerei gibt es ja allerhand kuriose Prozesse. Ein bekannter Fall, der erst vor Kurzem im Zusammenhang mit Limonade verhandelt worden ist, traf einen eurer Mitbewerber, Lemonaid. Magst du zu der Problematik kurz etwas erzählen? 
Bei Lemonaid war das Problem, dass ihre zuckerreduzierte Limonade – was ja mit weniger Zucker im allgemeinen gesellschaftlichen Trend liegt – nicht unter der Bezeichnung Limonade verkauft werden durfte, da sie den hierfür vorgeschriebenen Zuckergehalt von mindestens 7% mit ihren Produkten unterschritten. Wir hatten mit unseren Produkten ähnliche Probleme und mussten den Rohrzuckergehalt so anpassen, dass wir gerade so die geforderte Norm erfüllen.

Pam, gab es noch weitere rechtliche Probleme bei euch, von denen du berichten kannst?  
Was bei uns für kleinere Probleme gesorgt hat, war die Anmeldung unserer beiden Marken. Als juristische Laien wussten wir schlichtweg nicht, ob man eine Wortmarke, Bildmarke oder Wort-Bildmarke anmelden soll. Auch, was in welchem Fall sinnvoll ist und was dabei zu beachten ist. In diesem Zusammenhang stellte sich zusätzlich die Frage, ob “Djahé” als indonesisches Wort für Ingwer, dem Kriterium der Unterscheidungsfähigkeit genügt. Wir hatten am Ende über einen befreundeten Anwalt unserer Designerin eine Hilfestellung erhalten, sodass wir beide Marken, also sowohl “Djahé” und “Sips”, dann recht problemlos anmelden konnten. 
Nichtsdestotrotz ist der bürokratische Aufwand und der Prozess, der dahinter steckt, als Gründerin zum Teil sehr desillusionierend. 

Im Vorgespräch hast du noch ein Problem genannt, dass euch sehr beschäftigt hat. 
Das Vertragsrecht bereitet uns gerade im Moment etwas Kummer, da wir uns momentan auf der Suche nach Investoren befinden und dahingehend abgesichert sein möchten. Die Schwierigkeit besteht natürlich darin, einerseits jemanden mit dem nötigen juristischen Know-how zu finden, andererseits keine Wucherpreise für die Beratung bezahlen zu müssen. Ein entsprechend ausgebautes Netzwerk in seiner Stadt zu haben, ist, was Empfehlungen angeht, auf jeden Fall immer von Vorteil. Daher sind wir auch sehr froh, dass wir unseren Standort in Köln haben. Hier gibt es ein großes Gründernetzwerk, in dem man sich gegenseitig unterstützt und hilft. Hinzu kommt, dass unsere Produkte im urbanen Raum auch besser angenommen werden, als auf dem Land.

Klingt nach dem Motto: “Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht” in nicht urbanen Gegenden.
Genau, es ist viel leichter für ein Startup in der Großstadt anzufangen. Hier sind die Menschen viel offener für coole, neue und innovative Produkte. 
Nehmen wir zum Beispiel unsere Djahé Zitronen-Ingwer-Limonade, sie spaltet, aber das ist auch gut so. Sie hat auch sehr viele Liebhaber.

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Djahé ist indonesisch und bedeutet Ingwer. Schon als kleiner Junge in Indonesien trank Pamela Barróns Vater Jimmy am liebsten den warmen Ingwer-Tee seiner Eltern. Für seine Kinder verfeinerte er schließlich das altbewährte Rezept zur hauseigenen Limonade. Den Gästen von Pam’s kleinen indonesischen Restaurants in Köln schmeckte diese Hauslimo, so gut, dass sie beschloss, gemeinsam mit ihrem Bruder Justin und ihrem Mann Bruce ihr eigenes Food-Business zu gründen: DJAHÉ. Seit 2015 sind sie damit als junges Familienunternehmen auch bundesweit auf dem Markt. In der Homebase Köln kennt man Pamela und Djahé inzwischen als festen Bestandteil jedes guten Gastro-Kühlschrankes und Supermarktes. 

Diese Woche spricht Pam im RAKETENSTART-Podcast mit Madeleine Heuts über ihre ersten Wochen als Gründerin, neue Projekte und den großen Legal Fuckups der Lebensmittelbranche, die ihr als Gründerin täglich begegnen. All das und noch vieles Weiteres erfahrt ihr im folgenden Blogbeitrag.

Hinweis: Das Interview ist eine schriftlich abgefasste Form der Raketenstart-Folge mit Pam. Es handelt sich nicht um 1-zu-1 Zitate.

Hallo Pamela, schön, dass du hier bist! Stell dich doch zu Beginn kurz vor und erzähl uns, was du machst.
Hallo! Ich bin Pam, 38 Jahre alt und habe zusammen mit meinem Mann Bruce und meinem Bruder Justin unser kleines Familienunternehmen Djahé gegründet. Wir stellen Bio-Ingwerlimonade, Eistees und ganz neu auch funktionale Bio-Shots her. 2015 sind wir mit diesem Projekt gestartet und haben 2017 unsere GmbH angemeldet. Unser erstes Produkt war die Ingwer-Zitronenlimonade, der noch zwei weitere Sorten folgten. Letztes Jahr kamen dann unsere Eistees hinzu: “Black Ginger”, “Green Jasmin” und “Sparkling Matcha”. Anfang diesen Jahres sind wir mit unseren funktionalen Bio-Shots auf den Markt gekommen, die “Sips”. 

Wie kommt man darauf, Limonade herzustellen?
Ich habe vorher mit meinem Mann und meinem Papa ein indonesisches Restaurant in Köln betrieben. Dort haben wir auch unsere hausgemachte Ingwerlimonade nach einem verfeinerten Familienrezept unseren Gästen angeboten. Diese Art von Limo kannten wir aus unseren Reisen durch Asien, wo die Wurzel Ingwer in ganz vielen Gerichten und Getränken zum Einsatz kommt. Die selbstgemachte Zitronen-Ingwerlimonade kam wahnsinnig gut an, da wir nicht zuletzt auch darauf geachtet haben, dass nur frische Rohstoffe, wie Ingwer-Direktsaft, verarbeitet werden. Meinem Bruder, der zu dem Zeitpunkt Logistik in Lemgo studierte, kam die Idee unsere Limonade in Flaschen abzufüllen, um sie dann im Handel verkaufen zu können. Ich fand die Idee genial und war sofort dabei. 

Du hast ja wahrscheinlich nicht Limonaden-Wissenschaften studiert. Was ist dein beruflicher Background? 
Mein Lebensweg war recht wellenartig. Ich habe zunächst einige Jahre in der Gastronomie gearbeitet. Anschließend parallel zu meiner Ausbildung zur Rechtsanwaltsfachangestellten mein Abitur an einer Abendschule nachgeholt und danach dann das Familienrestaurant eröffnet. Da mir die Selbstständigkeit allein etwas unsicher war und das Abitur nicht ungenutzt bleiben sollte, habe ich angefangen Deutsch und Englisch auf Lehramt zu studieren. Kurz darauf wurde ich dann auch Mutter und startete gemeinsam mit meinem Bruder und Mann – ohne jegliche Vorkenntnisse – unser Limo-Business im Jahr 2015. Und auch wenn wir alle Drei nicht aus diesem Bereich kommen, machen wir das, was wir tun, mit ganz viel Herz und Leidenschaft.    

Wie habt ihr dann euer Business gestartet? 
Es ist natürlich ein Unterschied dazwischen, die eigene Limonade im Restaurant anzubieten, und sie als Produkt in den Handel zu bringen. Man muss unzählige Bestimmungen und Richtlinien beachten, in die man sich auch entsprechend mühselig einarbeiten muss. Wir haben Glück gehabt, dass mein Bruder Logistik in Lemgo studiert hat und sich direkt neben seiner Uni das Getränketechnologikum befand. Dort konnten wir eine kleine Charge für Testzwecke vorproduzieren. Wir konnten also austesten, wie unser Produkt in der Produktion schmeckt und das entsprechende Potenzial herausfinden. Daraufhin haben wir uns auch erst um die Recherche nach einem passenden Abfüller, Produzenten und entsprechenden Rohstoff-Lieferanten, aber auch nach der Logistik, die dahinter steckt, gekümmert. 

Gerade zu Anfang war es ein sehr mühseliger Weg, da man sich in vieles einlesen musste, insbesondere wenn man gar nicht aus dem Bereich kommt. Das war es uns aber wert. Es war ein sehr gutes Gefühl, das Familienrezept in Flaschen abzufüllen.

Im Bereich Vertrieb habe ich ganz viel Kaltakquise in der Kölner Gastronomieszene betrieben und bin tatsächlich die einzelnen Läden mit dem Fahrrad abgefahren. Die Resonanz war stets sehr positiv, weil der Wunsch nach innovativen, jungen Produkten mit guten Rohstoffen – wir sind zum Beispiel Bio zertifiziert – einfach da ist. Wenn das Produkt dann noch gut schmeckt und ein gutes Packaging bietet, ist es perfekt. Wir wurden von vielen Gastronomen dementsprechend auch gelistet, was einen guten Einstieg darstellte. 

Mittlerweile ist Djahé bei über 200 Bio- und Lebensmittel Einzelhändlern (LEH) und ungefähr 1000 Gastronomen, die sich auf NRW, Hessen und Berlin verteilen, vertreten. Im konventionellen LEH sind wir bei ca. 200 Händlern gelistet. In Köln, das unsere Homebase ist, sind wir aber natürlich am Stärksten vertreten. 

Wie sieht es mit eurer Teamstruktur aus, wie sind da die Rollen verteilt? Dein Mann hat ja zum Beispiel einen eher unüblichen Beruf als Gründer. 
Das stimmt, mein Mann ist tatsächlich Zahnarzt. Er hat unserem Startup auch den Namen “Djahé” gegeben, was auf Indonesisch “Ingwer” bedeutet. Zu ihm schicken wir dann auch immer unsere Limo-Trinker (*lacht*), wobei es sich nicht wirklich lohnt. Unsere Produkte enthalten nur einen kleinen Anteil an Rohrzucker. In unserem operativen Geschäft ist er nicht aktiv, das übernehmen mein Bruder Justin und ich. Mein Bruder kümmert sich hierbei um die Produktion, Produktentwicklung und die ganze Logistik.  

Als Familienunternehmen und gerade unter Geschwistern entstehen selbstverständlich auch mal Spannungen, die zu Unstimmigkeiten führen. Man findet aber auch recht schnell wieder zusammen und aufgrund des innigen Vertrauensverhältnisses, das zwischen uns herrscht, möchte ich das gar nicht mehr missen. Ich kann es auch nur Jedem weiterempfehlen.

Wie bekommt man als Gründerin die Familie und das Unternehmen unter einem Hut? 
Es ist manchmal sicherlich schwierig, insbesondere da für mich meine Familie meine Priorität darstellt. Trotz alledem bin ich als Gründerin zeitlich deutlich flexibler. Das bedeutet, dass ich auch Nachts arbeiten kann, wenn mein Mann und mein Sohn schlafen. Dass ich mit meinem Bruder gegründet habe, stellt dabei auch einen großen Vorteil dar, weil wir uns als Familie sowohl privat, als auch beruflich unterstützen können. Was im Angestelltenverhältnis mit geregelten Arbeitszeiten und wo Privates zwingend von Beruflichem zu trennen ist, nicht der Fall ist.  

Es ist an dieser Stelle nur wichtig, strukturiert und diszipliniert zu sein. Seine Zeit effizient einzuteilen und nach einem festgelegten Plan die Dinge zu erledigen. Gerade als Mutter ist man, was das Chaos-Management angeht, entsprechend gut für das Gründertum vorbereitet. Allerdings muss man auch sagen, dass es eine absolute Typsache darstellt, worauf es im Endeffekt ankommt. Man muss das finden, wofür man brennt und sich von gesellschaftlichen Zwängen auch frei machen.

Ihr habt in den letzten Monaten fleißig an etwas Neuem gearbeitet, möchtest du uns erzählen, worum es sich hierbei handelt? 
Wir haben relativ lange an dem neuen Projekt gearbeitet und bringen 2020 die ersten funktionalen Bio-Shots, die “Sips”, auf den deutschen Markt. Unsere Shots beinhalten nicht nur Direkt- und frisch gepresste Säfte, sondern auch natürliche Zusatzstoffe. Der Antioxidantien-Shot “Glow” enthält Zink aus dem Guave Blatt, unser Energie-Shot “Power” natürliches Koffein aus Guarana und Matcha. Und der Immunsystem-Shot “Protect” viel natürliches Vitamin C aus der Acerolakirsche in Kombination mit Kurkuma, schwarzem Pfeffer und Ingwer. Diese neue Produktlinie wird eine Untermarke von Djahé werden, da der Fokus nicht mehr ausschließlich auf der Zutat Ingwer liegt. Unsere Shots sind in kleinen Glasflaschen abgefüllt, ohne Zuckerzusatz und sowohl vegan, als auch Bio zertifiziert.

Auch mit diesem Produkt unterstützen wir das Projekt “Mein Regenwald” von Chance e.V., was sich für den Schutz von 18.000 Hektar peruanischen Regenwalds einsetzt. Wir sind mega gespannt, wie die neue Produktlinie angenommen wird und werden auch einen eigenen Online-Shop aufmachen unter sips-shop.com.

Gerade als Gründer hat man durch einen vollgestopften Alltag nicht zwingend die beste Ernährung, wenn man nicht gezielt darauf achtet. Dienen die “Sips” als Mahlzeitersatz?
Unsere Shots sollen keine Mahlzeit ersetzen, sondern dabei unterstützen, dass du dich gesund ernähren kannst und somit als Nahrungsergänzung dienen.

Wenn man eure schön designten Produkte in den Märkten sieht, könnte man meinen, dass ein riesiges Team dahinter steckt. Wie groß ist euer Team? 
Um das tolle (Flaschen-)Design kümmert sich eine gute Freundin von mir, die in Berlin wohnt und uns von da aus unterstützt. Ansonsten sind wir ein kleines Team von gerade mal sechs Leuten, wobei mein Bruder und ich schon mit eingerechnet sind. 

Bisher haben wir unser Geschäft größtenteils aus eigenen Mitteln finanziert. Aktuell sind wir aber auf der Suche nach passenden Investoren, um 2020 weiter zu wachsen und unser Team zu vergrößern. 

Viele Gründer von “Food-Startups” sind ja oftmals absolute Quereinsteiger und haben daher immer sehr viele interessante Erfahrung aus der Gründungsphase zu berichten. Was waren deine oder eure Legal Fuckups, an die du dich erinnerst?
Wenn man nicht aus dem Branche kommt und sich mit dem Lebensmittelrecht beschäftigen muss, bedarf es tatsächlich unzähliger Stunden an Recherchearbeit, um sich allein die Basics anzueignen. Hinzu kam, dass wir eine Bio-Zertifizierung haben wollten und uns damit einer expliziten Prüfung unterziehen mussten, die sowohl die Auswahl der Rohstoffe und Lieferanten, als auch unserer Produktion umfasste. Ansonsten liegen die üblichen Probleme natürlich bei der Markenrecherche, als auch der Lebensmittelinformationspflicht, die insbesondere bei der Beschriftung der Produkte zum tragen kommt.

Gerade bei unseren neusten Produkten, den “Sips”, mussten wir besonders auf die Richtlinien für Nahrungsergänzungsmittel und Health Claims, wie beispielsweise “Mit unserem Shot wirst du super gesund” achten. Das hat alles sehr viel mühselige Recherchearbeit und damit auch Zeit gekostet, die man als Gründer(in) auch ganz gerne direkt in das eigentliche Projekt gesteckt hätte. Nichtsdestotrotz sollte man, um rechtliche Probleme zu vermeiden und vor allem im Handel gelistet zu werden, diese Mühen in Kauf nehmen. Oder alternativ ein smartes Programm nutzen, das einem die rechtlichen Problemstellungen auf einfachere und zeitsparendere Weise näher bringt.

Gerade in der Juristerei gibt es ja allerhand kuriose Prozesse. Ein bekannter Fall, der erst vor Kurzem im Zusammenhang mit Limonade verhandelt worden ist, traf einen eurer Mitbewerber, Lemonaid. Magst du zu der Problematik kurz etwas erzählen? 
Bei Lemonaid war das Problem, dass ihre zuckerreduzierte Limonade – was ja mit weniger Zucker im allgemeinen gesellschaftlichen Trend liegt – nicht unter der Bezeichnung Limonade verkauft werden durfte, da sie den hierfür vorgeschriebenen Zuckergehalt von mindestens 7% mit ihren Produkten unterschritten. Wir hatten mit unseren Produkten ähnliche Probleme und mussten den Rohrzuckergehalt so anpassen, dass wir gerade so die geforderte Norm erfüllen.

Pam, gab es noch weitere rechtliche Probleme bei euch, von denen du berichten kannst?  
Was bei uns für kleinere Probleme gesorgt hat, war die Anmeldung unserer beiden Marken. Als juristische Laien wussten wir schlichtweg nicht, ob man eine Wortmarke, Bildmarke oder Wort-Bildmarke anmelden soll. Auch, was in welchem Fall sinnvoll ist und was dabei zu beachten ist. In diesem Zusammenhang stellte sich zusätzlich die Frage, ob “Djahé” als indonesisches Wort für Ingwer, dem Kriterium der Unterscheidungsfähigkeit genügt. Wir hatten am Ende über einen befreundeten Anwalt unserer Designerin eine Hilfestellung erhalten, sodass wir beide Marken, also sowohl “Djahé” und “Sips”, dann recht problemlos anmelden konnten. 
Nichtsdestotrotz ist der bürokratische Aufwand und der Prozess, der dahinter steckt, als Gründerin zum Teil sehr desillusionierend. 

Im Vorgespräch hast du noch ein Problem genannt, dass euch sehr beschäftigt hat. 
Das Vertragsrecht bereitet uns gerade im Moment etwas Kummer, da wir uns momentan auf der Suche nach Investoren befinden und dahingehend abgesichert sein möchten. Die Schwierigkeit besteht natürlich darin, einerseits jemanden mit dem nötigen juristischen Know-how zu finden, andererseits keine Wucherpreise für die Beratung bezahlen zu müssen. Ein entsprechend ausgebautes Netzwerk in seiner Stadt zu haben, ist, was Empfehlungen angeht, auf jeden Fall immer von Vorteil. Daher sind wir auch sehr froh, dass wir unseren Standort in Köln haben. Hier gibt es ein großes Gründernetzwerk, in dem man sich gegenseitig unterstützt und hilft. Hinzu kommt, dass unsere Produkte im urbanen Raum auch besser angenommen werden, als auf dem Land.

Klingt nach dem Motto: “Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht” in nicht urbanen Gegenden.
Genau, es ist viel leichter für ein Startup in der Großstadt anzufangen. Hier sind die Menschen viel offener für coole, neue und innovative Produkte. 
Nehmen wir zum Beispiel unsere Djahé Zitronen-Ingwer-Limonade, sie spaltet, aber das ist auch gut so. Sie hat auch sehr viele Liebhaber.

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